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Daniel Schneider
im Interview

Wer sind Sie und wie beschreiben Sie Ihren Drive im Bereich digitaler Medizin, Ihre Rolle?

Mein Name ist Dr. Daniel Schneider, ich bin General Manager Germany beim schwedischen Gesundheitsunternehmen KRY, das Video-Sprechstunden via App über Smartphone oder Tablet anbietet. 

Die Idee zu KRY ist entstanden, als unser CEO & Founder Johannes Schildt immer wiederkehrende Halsschmerzen hatte, was bedeutete, dass er häufige Arzttermine brauchte. Es war jedoch oftmals schwierig, einen Termin zu einem Zeitpunkt zu bekommen, der in seinen Zeitplan passte. Als er mit zwei Freunden in der Kneipe zusammensaß, entstand die Idee zu KRY: eine App, mit der man per Knopfdruck vom Handy aus mit einem Facharzt verbunden werden konnte.

Meine Motivation ist es, mit KRY die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben. Mit KRY wird die Gesundheitsversorgung um ein Angebot erweitert, dass dazu beiträgt, die medizinische Versorgung der Patienten zu verbessern und die Arbeit der Ärzte zu erleichtern. Vor allem in ländlichen Gebieten fehlen oft Ärzte und in Ballungsräumen herrscht oft Terminnot – in beiden Fällen helfen wir mit unserer digitalen Video-Sprechstunde. Wir glauben, dass in Zukunft Patienten über digitale und analoge Kanäle ihre Gesundheitsthemen angehen.

Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal? Was exakt findet in Ihrem Alltag schon alles digital statt? Wo schafft die Digitalisierung damit einen Mehrwert?

Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir kein Ärzteverzeichnis sind, sondern eine Online-Praxis, die Patienten genauso versorgt, wie sie es von einem Vor-Ort-Besuch in der Praxis gewohnt sind – ohne separaten Aufwand, um Krankschreibungen oder Rezepte zu erhalten.

Was KRY dabei so besonders macht, ist der hohe Qualitätsanspruch unserer Arbeit. Die sehr gute medizinischen Leistung gewährleisten wir durch definierte und genau ausgearbeitete medizinische Vorgehensweisen sowie stete Begleitung und Fortbildungen für unsere Ärzte. Unsere Ärzte sind ein ausgewähltes Team deutscher Ärztinnen und Ärzte. Als größter europäischer Anbieter von Telemedizin mit mehr als 2.3 Millionen durchgeführten Video-Sprechstunden können unsere Ärzte außerdem aus einem umfassenden Erfahrungsschatz ihrer internationalen Kollegen schöpfen und unseren nationalen Gegebenheiten anpassen. Der medizinische Austausch untereinander ist uns hier besonders wichtig.

Wir möchten die Möglichkeiten der Digitalisierung für eine bessere und einfachere Gesundheitsversorgung zu nutzen. Der Mehrwert entsteht wie folgt: Die leicht zu bedienende Software von KRY hilft den Ärzten sich ganz auf das wesentliche – das Patientenwohl – konzentrieren zu können: Beispielsweise erhält der Arzt vor der Sprechstunde die Angaben über die Beschwerden des Patienten in digitaler Form, die Dokumentation erfolgt ebenso einfach digital und Rezepte, AU-Bescheinigungen oder Überweisungen können direkt per App übermittelt werden. KRY übernimmt zudem administrative Aufgaben. 

Digitale Lösungen haben unseren Lebensalltag in den letzten Jahren an vielen Stellen verändert – das Gesundheitssystem folgt nun dieser Entwicklung. Wir sehen viele Chancen in diesem Prozess und spüren schon jetzt ein großes Interesse in der Öffentlichkeit, bei Patienten und Ärzten an diesem Thema. Wir wollen die Veränderung hin zu ergänzenden digitalen Lösungen mitgestalten.

Wo sehen Sie die größten Chancen und das größte Potenzial in der Digitalisierung der Gesundheit? Wieso? 

In Deutschland steht die Digitalisierung des Gesundheitswesens noch am Anfang, da zentrale Elemente noch nicht geregelt sind – zum Beispiel das eRezept und die Verschreibung von Gesundheits-Apps. Für den Patienten kann hier noch vieles verbessert werden, um eine hürdenlose Nutzung von digitalen Gesundheitsleistungen zu ermöglichen. 

Denkt man diese Aspekte zusammen, wird deutlich, dass das Potenzial von Telemedizin innerhalb des Gesundheitssystems noch lange nicht ausgeschöpft ist. Dass hier schnelle und flexible Lösungen gefunden werden können, hat die Corona-Pandemie bewiesen, beispielsweise in der Lockerung der 20 Prozent Beschränkung auf telemedizinische Leistungen in der Abrechnung durch Kassenärzte.

Die regulatorische Infrastruktur muss weiter angepasst werden – zum Wohle des Patienten. Unsere Vision bei KRY ist es, die Möglichkeiten der Digitalisierung für eine bessere und einfachere Gesundheitsversorgung zu nutzen, um allen Versicherten einen schnellen, einfachen und hochwertigen Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen.

Wo konkret sehen Sie das größte Marktpotenzial in der digitalen Gesundheit in den kommenden Jahren und wieso?

Die Prognose ist gut: In einer aktuellen Umfrage von Bitkom gab fast die Hälfte der Befragten an, sich die Nutzung von digitalen Video-Sprechstunden vorstellen zu können. Die Video-Sprechstunde ist für uns ein wichtiger Eckpfeiler in einem digitalen Angebot im Gesundheitssystem – aber nicht der letzte Schritt. Unsere Mission ist es, ein ganzheitliches Gesundheitsangebot für alle Patienten unter Nutzung der digitalen Möglichkeiten zu schaffen. Hier werden wir noch viele neue Services entwickeln und alte transformieren. Zum Beispiel arbeiten wir heute in unserem Heimatmarkt Schweden schon intensiv an der Brücke zwischen digitalen und analogen Kontaktpunkten mit unserem eigenen Angebot von Kliniken.

Was ist Ihr konkreter Ratschlag an Gründer und Investoren im Bereich digital health? 

Gründerinnen und Gründer brauchen immer einen langen Atem und Durchhaltewillen – dies gilt insbesondere im Bereich Digital Health, wo die Komplexität des Gesundheitssystems sowie die Vielzahl an Beteiligten Akteuren es erfordert, jeden Tag neu zu überlegen, wie man die besten Ergebnisse erreichen kann. Wir glauben, dass im Kern immer die Patientenzentriertheit stehen muss – wie erreichen wir das Beste für die Gesundheit der Patienten in einer Art und Weise, die den Interessen der Patienten entspricht?

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Interviews

Tobias Krick
im Interview

Wer bist Du und wie beschreibst Du Deinen Drive im Bereich digitaler Medizin, Deine Rolle?

Mein Name ist Tobias Krick und ich bin Co-Founder bei „Healthcare Innovations“ einem Netzwerk, das Healthcare Startups, Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Krankenkassen, Forschung und Wissenschaft sowie Investoren aus dem Gesundheitsbereich zusammenbringt. Ziel ist es, Synergien zu schaffen für ein innovativeres Gesundheitswesen in der D-A-CH Region – dafür bringen wir in unserem Netzwerk Bedarfe und Angebote zusammen, stellen notwendiges Wissen bereit und helfen den Netzwerkpartnern aktiv und individuell bei ihren Fragestellungen. Ich selbst bin dabei einer der Innovationstreiber und insbesondere öffentlicher Akteur, der sich auf den vielfältigsten Konferenzen und online Plattformen für das Thema einsetzt. Jedoch bin ich auch intern sehr aktiv, was die Vernetzung insbesondere von Seiten der Healthcare Startups angeht. In meinen Augen braucht ein gutes Gesundheitssystem innovative Startups, um die Versorgung von morgen qualitativ hochwertig und modern sicherstellen zu können. Wir sollten daher alles dafür tun, dass dieses Potenzial genutzt wird.

Was ist Dein USP, Dein Alleinstellungsmerkmal? Was exakt findet in Deinem Alltag schon alles digital statt? Wo schafft die Digitalisierung damit einen Mehrwert?

Mein USP ist meine Persönlichkeit. Ich nenne mich nicht umsonst in den sozialen Medien „Healthcare Rebell“, denn ich lebe diese Idee. Zu einem verbesserten Gesundheitssystem gehören Querdenker und Rebellen dazu, doch verbinde ich diese Herangehensweise mit einem besonders hohen Maß an Respekt und Wertschätzung. Gute Ideen, die besonders disruptiv sind, muss man in meinen Augen ebenso wertschätzend verkaufen, damit die etablierten Akteure sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlen. Außerdem könnte das Gesundheitswesen ein bisschen mehr gegenseitigen Respekt und Wertschätzung vertragen.

Ich möchte dabei eine Vorbildrolle einnehmen – „Leading by example“ ist das Stichwort. Dies gilt auch für die Nutzung von digitalen Medien in unserem Unternehmen. Neben Videokonferenzen gehören die wichtigsten sozialen Plattformen zu unserem täglichen Brot. Die Kommunikation über digital health ist genauso wichtig, wie die Entwicklung von guten digitalen Lösungen. Ich setze mich dabei persönlich für jedes Startup in unserem Netzwerk ein, insbesondere auch in der Innenkommunikation.  

Wo siehst Du die größten Chancen und das größte Potenzial in der Digitalisierung der Gesundheit? Wieso? 

Ich sehe überall Chance. Die Versorgung in den Bereichen der größten Volkskrankheiten, aber auch im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung durch digitale Lösungen zu unterstützen, die evidenzbasiert positive Effekte haben, ist doch ist einfach genial. Gleiches gilt für Struktur- und Prozessverbesserungen im Gesundheitssystem durch digitale Lösungen. Potenzial gibt es überall – unter anderem dadurch, dass das System selbst einfach an vielen Stellen veraltet ist.

Wo konkret siehst Du das größte Marktpotenzial in der digitalen Gesundheit in den kommenden Jahren und wieso?

Ich denke, die kleinen Lösungen sind manchmal wichtiger als die großen Plattformen. Wenn wir die alltäglichen Probleme des Gesundheitspersonals lösen könnten, dann wäre viel geholfen. Insbesondere was Stressbelastung und körperliche Belastung angeht.
Außerdem sehe ich viel Potenzial in GesundheitsApps – insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz.
 
Was ist Dein konkreter Ratschlag an Gründer und Investoren im Bereich digital health? 

Ratschlag an Gründerinnen und Gründer: Informiert euch, ermittelt echte Bedarfe oder vorhandene Probleme und entwickelt bitte nicht ins Blaue irgendeine „fancy“ Technologie. Sprecht bitte frühzeitig mit potenziellen NutzerInnen, KundInnen, und Payern. Wenn ihr eine
gute Idee habt dann bleibt geduldig und haltet durch. Denkt frühzeitig über Reimbursement Modelle nach und nicht nur darüber eine spannende Technologie zu entwickeln, die Preise gewinnen kann und Fördergelder erhält, aber auf dem Markt eigentlich keine Chance hat,
sonst endet eure Healthcare Startup Reise vermutlich nach 2-3 Jahren, sobald die Förderungen auslaufen.

Ratschlag an Investoren: Es steckt viel Potenzial und „Drive“ im Bereich digital health – nicht nur aus sozialen Gründen, sondern auch durch neue Reimbursement Strukturen zum Beispiel im Rahmen des „Digitale-Versorgung-Gesetz“. Vernetzt euch mit anderen Investoren
und Business Angels, die sich bereits gut auskennen in diesem speziellen und spezifisch regulierten Markt – gerne auch mit und über uns. Achtet insbesondere darauf, dass wissenschaftliche Expertise frühzeitig in die Entwicklung oder Testung des Startups/Produkts
einbezogen wird. Außerdem, liebe Investoren: „Investiert. Wenn nicht jetzt – wann dann?“

Welche drei Events sind absolute MUSTs im Bereich Digital Health, würdest Du also dringend empfehlen? 

Pflegebereich: „Clusterkonferenz – Zukunft der Pflege“
Medizinbereich: „Zukunftsmedizin – live“ von Digi Health Talk
Digital Health: „DMEA“ – vom bvitg