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Dr. med. Anne Latz
im Interview

Wer sind Sie und wie beschreiben Sie Ihren Drive im Bereich digitaler Medizin.

Mit meiner Kombination aus Medizin und Wirtschaft gehöre ich zur wachsenden Gruppe der Digital Doctors: Ärztinnen, die sich für innovative Geschäftsmodelle und Konzepte im Gesundheitswesen einsetzen. Schon im Studium war ich im Bereich Kommunikation für das medizinische Wissens-Startup AMBOSS tätig, durch welches medizinisches Lernen in Deutschland revolutionär digitalisiert wurde. Die weiteren Schritte über die Arzt-Patienten-Kommunikation (Klinik für Psychosomatik) und die gesundheitliche Aufklärung (BZgA des BMG) schlossen sich ganz natürlich an. Nun engagiere ich mich beim Startup alley (alley.de) für die Etablierung einer holistischen und nachhaltigen Umsetzung von Value Based Healthcare und personalisierter Prävention in Deutschland. 

Was ist Ihr USP, Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Understanding yourself is power. Für mich sind Authentizität und eine intrinsische Begeisterung für die Themen, die den Alltag gestalten der Schlüssel nicht zur zum Erfolg, sondern zur eigenen Zufriedenheit. Storytelling funktioniert nur mit einer glaubwürdigen Verkörperung der besprochenen Themen. Ich habe das enorme Glück, dass ich für die Potentiale präventiver Lebensstilmedizin mit einem starken Fokus auf Aufklärung, (Beauty) Empowerment und Population Based Public Health brenne und diese Themen jeden Tag weiter nach vorne bringen darf.

Wo sehen Sie die größten Chancen und das größte Potenzial in der Digitalisierung der Gesundheit? Wieso?

Wir haben enorme ungenutzte Potentiale in der interdisziplinären Vernetzung verschiedener Akteure unseres Gesundheitswesens und in der Reallokation häufig noch ineffizient genutzter Ressourcen entlang der Patientenreise. Dazu zählt ganz praktisch der Abbau bürokratischer Schritte, welche die Kapazitäten für originär ärztliche oder pflegerische Tätigkeiten binden. Spannender ist neben offensichtlicher Prozessoptimierung durch Digitalisierung aber das Potential durch Empowerment.

Damit meine ich, dass es uns durch innovative und informative Vernetzung bei Öffnung für die Möglichkeiten der Digitalisierung gelingen kann, den Patienten zum Co-creator der eigenen Gesundheit zu machen. So kann er Teil einer Gesundheits-Community werden, welcher er Vertrauen und für die er – ebenso wie für die eigene Gesundheit – Verantwortung übernehmen. Ein Gefühl der Selbstwirksamkeit und Solidarität im Kontext von Gesundheit auch langfristig zu etablieren wäre eine Errungenschaft, die ich mir auch über die aktuelle Krise hinaus wünschen würde – und für welche die Digitalisierung enorme Potentiale bietet.

Wo konkret sehen Sie das größte Marktpotenzial in der digitalen Gesundheit in den kommenden Jahren und wieso?

Qualität und Vertrauen werden die Kernwerte der Zukunftsmedizin sein. Durch Digitalisierung wird täglich verändert, wie (schnell) Informationen konsumiert und ausgetauscht werden. Diese neuen Arten der Kommunikation bieten enorme Potentiale bis hin zu einem veränderten Verständnis von Gesundheit und dem eigenen Beitrag zu diesem. Gleichzeitig bedeutet sie eine starke Verunsicherung etablierter Akteure und Konsumenten im Gesundheitswesen. Unternehmen, den es gelingen wird, diesen Balanceakt zwischen Fortschritt und Fürsorge glaubwürdig durch nachhaltige und vertikale Geschäftsmodelle abzubilden, werden meiner Meinung nach die Pioniere und Kernakteure im Gesundheitswesen der nächsten Jahre sein. Das dieses Veränderung auch digital verstanden wird, steht für mich außer Frage.

Was ist Ihr Ratschlag an Gründer und Investoren im Bereich digital health?

Align your value and your values.

Welche drei Events, Netzwerke, Newsletter oder Formate sind absolute MUSTs, würden Sie also dringend empfehlen?

Die Szene ist schnelllebig, es passiert ständig etwas. Deshalb ist es in der deutschen Digital Health Welt essentiell a) sein lokales Netzwerk zu kennen und stärken, b) regelmäßig in Berlin auf einschlägigen Formaten präsent zu sein und c) über den internationalen Tellerrand zu schauen. UK beispielsweise ist innovativ im Bereich Evidence Based Digital Medicine, die US und Skandinavien inspirieren mit vielen Projekten im Bereich Public Health und Prävention. Verschiedene Newsletter helfen, die wichtigsten Events im Auge zu behalten.